Heute hieß es um 5:45 Uhr raus aus den Betten. Annamaria und ich hatten in weiser Voraussicht den Wecker schon auf 05:40 Uhr gestellt, denn um Punkt 5:45 Uhr lief der Hauptmann durchs Haus und rief SEHR laut: ALLES AUFSTEHEN!! ALLES AUFSTEHEN! Da war auch der letzte wach!
Dann hatten wir eine halbe Stunde Zeit zum Anziehen, fertig machen, Betten abziehen und Bettwäsche abgeben, Rucksack und Tasche packen. Um 6:15 Uhr mussten wir draussen antreten und sind dann mit dem Oberstleutnant geschlossen 20 Minuten bis zum Frühstückssaal marschiert. (Übrigens hatte der Hauptmann gestern unseren vegetarischen Brotaufstrich wieder eingepackt und mitgenommen, obwohl wir den gar nicht mehr haben wollten. Nun hatte ich mein Tütchen wieder dabei fürs Frühstück!). Nach dem Frühstück konnten wir alleine zurück gehen, hatten nochmal ein paar Minuten Zeit zum Sammeln und traten dann um 07:30 Uhr wieder draussen an. Von dort vor unserem Haus ging der nächste Marsch dann zu der Kämpferbahn / Hindernisbahn / Bahn der Selbstüberwindung, die für den Tag heute unsere Aufgabe sein sollte. 18 Hindernisse unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, unterschiedlicher Kraftanstrengung und Selbstüberwindung. Als erstes haben wir unsere Rucksäcke im Aufenthaltsraum verstaut und bekamen dann das Sicherheitsgurtgeschirr angelegt. Dann gings auch schon zum ersten Hindernis: Sicherungsfrei über einen schräg ansteigenden Holzbalken balancieren. Wir nicht so schlimm, aber die klobigen Bundeswehrstiefel und das nasse rutschige Holz haben so ihr übriges zum schwerer-werden beigetragen. Aber alle haben es geschafft. Dann kam ein Hangel-Hindernis: Mit dem Rücken zur Wand seitlich an einer Metallstange entlang hangeln. Das war sehr schwer, und viele sind auch nicht sehr weit gekommen. Als nächstes dran war wieder ein Höhenhindernis: Diesmal mit Sicherung über einen 15m hohen Metallträger balancieren. War auch okay. Wenn man nur oft genug vor sich hinflucht, wird alles sehr viel leichter :D Am anderen Ende wartete jedoch ein Baumstamm, an dem man herunter rutschen musste, nur stand der in etwa 1m Abstand und man musste da irgendwie erst dran springen. Das hab ich nicht hinbekommen (und die arme Nadine hat sich voll die Knie daran angeschlagen!). Dann kam ein Röhrenhindernis: In völliger Dunkelheit mussten wir auf Händen und Knien durch einen Röhrenkanal krabbeln. Das gemeine war nur: an zwei Stellen wurde der Kanal durch eine Holzeinlage um einiges enger, so dass man sich dort auf dem Bauch durchschieben musste. Gar nichts für Platzangst! Aber auch das haben wir, immer in Vierergruppen, geschafft. Als letztes Hindernis vor dem Mittagessen mussten wir noch zum "Spinnennetz" gehen. Dazu musste man sich erstmal an einem langen Seil wie Tarzan durch die Luft schleudern, in dem Netz landen, hochklettern, oben drüber klettern und dann wieder runter. Das hat niemand von uns geschafft und ehrlich gesagt, ich habs gar nicht erst probiert. Markus ist ohne Tarzansprung hoch, drüber und runter geklettert und war danach so k.o., dass ihm niemand gefolgt ist.
Dann war Mittagspause. Und was gab es? Gulasch. Urrg. Dazu lag aber noch ein bisschen Obst und Brot bereit, das ging dann auch.
Nach dem Essen ging es zum Turm. Das war ein 20m hoher Steinturm mit drei Aufstiegsmöglichkeiten: 1. eine Stange, an der man quasi an der Mauer senkrecht wie Spiderman hochlaufen musste, 2. Klettersteine, also kleine Mauervorsprünge, an denen man hochklettern konnte und 3. eine Art Sprossenleiter mit großen Abständen, in denen man sich auch mit so einem Sicherungsseil einhaken musste. Ich hab erst die kleinen Kletterstufen probiert, aber hatte einfach nicht genug Kraft für den Aufstieg. Also bin ich die Sprossenwand hochgeklettert. Oben angekommen musste man sich gleich auf ein Seil stellen und dann auf diesem Drahtseil in 20m Höhe etwa 30 Meter weit laufen (natürlich gesichert). Der Typ, der am anderen Ende wartete, war sehr lustig und redete die ganze Zeit mit mir, also, genau genommen, war es echt nicht so schlimm. Auf der Plattform bei dem Typ angekommen, musste man sich dann hinsetzen, sich in eine Art Seilbahn einhaken und dann einfach von der 20m hohen Plattform herunter springen. Nichts leichter als das. In der Luft sollte ich dann schon anfangen zu laufen, so dass ich auf dem Boden laufend aufsetze und gleich weiter laufe. Naja, so ganz so hat das nicht funktioniert. Ich habe in etwa wie ein Mehlsack auf dem Boden aufgesetzt und durch den Rückruck hat sich mein Hals kurz sehr merkwürdig verbogen, aber es ist nichts wirklich passiert. Huiuiui! Nach dem Turm kam ein weiteres Balancierhindernis, dann nochmals eines zum Hochklettern und runterspringen (das hab ich nicht mitgemacht) und dann noch ein letzter Balance-Balken, der über einen kleinen Tümpel führte. Das blöde war nur, der Balken war an sehr wackeligen Federn aufgehängt und selbst sehr sehr wackelig. Aber jeder musste dort noch drüber und ein bisschen haben unsere Ausbilder dann die Balken auch festgehalten :) Dann haben wir uns nur noch ein paar Hindernisse angeguckt, aber nicht mehr absolviert (ein anderes Hangelhindernis, eine hohe Holzwand, über die ein paar von uns tatsächlich noch herüber geklettert sind, eine senkrechte Röhre, die man innen hinaufklettern musste - dabei ist eine der Ausbilderinnen dem armen JP so sehr auf die Finger getreten, dass ihm ein Fingernagel fast ganz herausgerissen wurde! - und dann noch schräg gestellte Eisenbahnschienen, an denen man sich bäuchlings hochziehen musste). Dann war es 16 Uhr und die Hindernisbahn offiziell überstanden! Nun mussten wir nur noch das Sicherheitsgeschirr wieder ausziehen, unsere Rucksäcke schnappen und geschlossen zur Kaserne zurück marschieren. Halb fünf bis halb sechs gabs Abendessen (nebenbei konnte ich endlich mit Chuck telefonieren; der war, wie abgesprochen, mit dem Auto nach München gefahren, mittlerweile schon angekommen und im Hotel eingecheckt!!! :D) dann kam endlich unser Bus, wir konnten einsteigen und nach Hause fahren. Dieses Mal sind wir jedoch mit einem anderen Bataillon zusammen gefahren. Deren Hauptmann hatte uns vorher deutlich zu verstehen gegeben, dass wir "Ärzte" doch bitte allein zusammen auf einer Bank sitzen, damit seine Feldjäger ihre eigene Einzelbank haben können. Des weiteren sollten wir uns auch nicht mit denen "mischen", denn sie wollten sicherlich ihre eigenen Gespräche führen. Nun ja, das endete dann darin, dass wir alle zusammen hinten im Bus saßen (die gesamte lange Rückbank nahm ein einzelner schlafender Feldjäger ein!) und die "besseren" im vorderen Busteil, alle alleine auf einer Bank. Aber es war nicht so schlimm; wir hatten Spaß! Wir haben die ganze Fahrt lang nur gelacht :D Zwischendurch gabs eine Pause (wieder bei McDonalds, da hat mir Nadine ihr halbes Twix McFlurry Eis geschenkt, mmmmhhh!!!!) und um 22 Uhr waren wir wieder in der Kaserne. Für eine Stunde saßen dann ein paar von uns mit dem Hauptmann noch im Offiziersheim und haben die letzten zwei Tage Revue passieren lassen (und der Hauptmann hat Krankenscheine verteilt wie Bonbons). Gegen 23 Uhr sind dann auch wir zurück in unser Gebäude und schlafen gegangen.
Bilanz: JP: halb ab Fingernagel
Waldemar: Sehnenzerrung am linken Ellenbogen
Martin: Schmerzen im Schultergürtel, besonders im rechten Sternoclaviculargelenk (vom Stützen der anderen an der Holzwand)
Nadine: beidseits geprellte Kniescheiben
Markus: geprellter rechter Calcaneus
Miriam: immer noch krank (jetzt mit Otitis und Bronchitis)
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